Europa als Wertversprechen: Drei Veranstaltungen, viele Perspektiven

Was hält Europa zusammen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe „Europa – Ein Versprechen, das uns alle (ver)bindet. Warum ist ein Gespräch über europäische Werte aktuell besonders wichtig?“, die im Mai 2026 in Essen, Bonn und Bocholt stattfand. Organisiert von der Europa-Union NRW gemeinsam mit zahlreichen lokalen Partnern, bot die Reihe rund 120 Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit, über Demokratie, Freiheit, Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Europa ins Gespräch zu kommen.

Dass Europa weit mehr ist als ein gemeinsamer Markt oder ein politisches Bündnis, wurde bereits zu Beginn der Reihe deutlich. In Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung, internationaler Krisen und wachsender demokratischer Herausforderungen rückte die Frage in den Fokus, welche Werte das europäische Zusammenleben prägen und wie diese im Alltag gelebt werden können.

Den Auftakt machte am 6. Mai eine Podiumsdiskussion in der Volkshochschule Essen. Nach der Begrüßung durch die Europa-Union NRW und die VHS Essen eröffnete ein Videoimpuls der Content-Creatorin Nadine Wagenaar die Diskussion. Sie sprach über die Bedeutung von Arbeit für Identität und gesellschaftliche Teilhabe und stellte die Frage, wie sich europäische Werte in aktuellen Debatten über Arbeitszeitmodelle und die Vier-Tage-Woche widerspiegeln.

Im Anschluss beleuchteten der Politikwissenschaftler Manuel Knapp und der Unternehmer Reinhard Wiesemann europäische Werte aus unterschiedlichen Perspektiven. Während Knapp die politische Dimension von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Solidarität in der Europäischen Union hervorhob, lenkte Wiesemann den Blick auf die gesellschaftliche Ebene. Im Zentrum stand die Frage, wie europäische Werte im Alltag erfahrbar werden und wie sich eine gemeinsame europäische Identität mit gesellschaftlicher Vielfalt verbinden lässt. Das Publikum beteiligte sich engagiert an der Diskussion und brachte über digitale Beteiligungsformate eigene Perspektiven ein.

Mit rund 65 Teilnehmenden stieß die zweite Veranstaltung am 11. Mai in der Regionalvertretung der Europäischen Kommission in Bonn auf besonders großes Interesse. Die Journalistin und Autorin Sally Lisa Starken sprach über die Bedeutung demokratischer Grundwerte in einer Zeit politischer und gesellschaftlicher Umbrüche. Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen betonte sie, wie wichtig eine aktive Auseinandersetzung mit demokratischen Prinzipien und europäischen Werten sei.

Ergänzt wurde diese Perspektive durch Rainald Manthe, der die Bedeutung gesellschaftlicher Begegnungsräume für den demokratischen Zusammenhalt hervorhob. Demokratie, so Manthe, werde nicht allein in Parlamenten oder Institutionen gelebt, sondern vor allem dort, wo Menschen im Alltag miteinander ins Gespräch kommen – sei es im Verein, im Baumarkt oder in der Eckkneipe. Das anschließende Fishbowl-Format ermöglichte einen intensiven Austausch zwischen Publikum und Podium und machte die Veranstaltung zu einem lebendigen Forum demokratischer Debatte.

Den Abschluss der Reihe bildete am 27. Mai die Veranstaltung in Bocholt. Dort diskutierten Dr. Stefan Berger, Mitglied des Europäischen Parlaments, und Andreas Müller von Democracy International über die Herausforderungen für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftliche Teilhabe in einer zunehmend digitalen und vielfältigen Gesellschaft. Themen wie Medienkompetenz, digitale Öffentlichkeit und die Rolle sozialer Räume für demokratische Prozesse standen dabei im Mittelpunkt.

Auch in Bocholt griff Nadine Wagenaar in ihrem Beitrag die Zusammenhänge zwischen Arbeit, Identität und gesellschaftlicher Teilhabe auf. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wie unterschiedlich europäische Werte interpretiert werden können und zugleich, wie groß das Interesse an einem offenen Dialog über ihre Bedeutung ist.

Die Veranstaltungsreihe zeigte eindrucksvoll, dass Europa für viele Menschen weit mehr ist als ein geografischer Raum oder ein politisches Projekt. Europa wird als gemeinsamer Werte- und Handlungsraum verstanden, dessen Grundlagen immer wieder neu diskutiert, verteidigt und mit Leben gefüllt werden müssen. Die hohe Beteiligung, die Vielfalt der Perspektiven und die engagierten Diskussionen machten die drei Veranstaltungen zu einem gelungenen Beitrag zur politischen Bildung und zum demokratischen Dialog in Nordrhein-Westfalen.

Möglich wurde die Veranstaltungsreihe durch die Förderung im Rahmen des Europa-Schecks des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Europa-Union NRW organisierte die Veranstaltungen gemeinsam mit ihren lokalen Partnern – der Volkshochschule Essen, der Regionalvertretung der Europäischen Kommission in Bonn, EUROPE DIRECT Bocholt, der Stadt Bocholt sowie der Volkshochschule Bocholt. Gemeinsam schufen sie Räume für den Austausch über die Zukunft Europas und die Werte, die das europäische Zusammenleben prägen.